BK II/02 - 21.02.2001

Brieselanger Chronik von Arno Heinrich

Heute: Ärzte und Schwestern - 75 Jahre zum Wohle der Patienten!

Annonce aus dem Jahr 1928

In einem Bericht des Gemeindeschöffen Dr. Werner Reinhardt ist im Jahre 1925 zu lesen: "Vor einiger Zeit ist ein lange gehegter Wunsch der Siedler in Erfüllung gegangen, es hat sich ein Arzt, Herr Dr. Stappenbeck, in Brieselang niedergelassen und wirkt erfolgreich."

Weiterhin wird in diesem Bericht die Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne, die des Arbeitersamariterbundes, der Frauenhilfe und der Arbeiterwohlfahrt erwähnt.

Zunächst betrieb Dr. Stappenbeck seine Praxis in Kellerräumen in der Straße Am Wald. Etwa 1930 erfolgte dann der Umzug in sein neuerbautes Haus in der Bahnstraße (heute Kita - August Bebel Haus), welches nach 1945 enteignet wurde. 1928 trat auf dem medizinischen Gebiet eine weitere Verbesserung für die nun 2.270 Einwohner zählende Gemeinde ein, denn der Dentist Hellmuth Mädel eröffnete in der Hauptallee 22 (heute Thälmannstraße) sein Zahn - Atelier. Es wurden künstliche Zähne unter Garantie für tadellosen Sitz und die Brauchbarkeit beim Essen hervorgehoben, ebenso Zahnoperationen mit örtlicher Betäubung. Später erfolgte ein Umzug in die oberen Räume der Bahnhofsdrogerie.

Am 1.8.1931 eröffnete Pharmazierat Wilhelm Zwickert die Löwenapotheke in der Hauptallee 29 (Thälmann Straße) und im gleichen Jahr erfolgte die Niederlassung einer Hebamme.

Seit 1931 hatte der jüdische Zahnarzt Dr. Eugen Holschauer seine Wohnung und Praxis im Hause von E. Patitz, in der Nauener Straße 69 (heute: Karl-Marx-Straße). Unter Polizeiaufsicht wurden die Transportkisten gepackt und im März 1939 erfolgte die Auswanderung der Familie Dr. Holschauer nach Brasilien.

Danach wurde die Praxis vorübergehend vom Zahnarzt Heinz Kramm genutzt. Jedoch bis zu seinem Ruhestand, etwa 1977, praktizierte der Sanitätsrat mehrere Jahrzehnte in seinem Hause in der Lange Straße 23. Um 1947 praktizierte Dr. med. Ruess kurzzeitig in der Praxis in der Nauer Str. 69 (Heute: Karl-Marx-Straße).

In den Nachkriegsjahren 1945/46 wurden die Jugendherberge und die Räume der Gärtnerei Ziemer in der Falkenstraße für die Krankenversorgung genutzt. Dr. Stappenbeck und Dr. Colley waren dort die behandelnden Ärzte. Die Praxis von Dr. Colley lag jedoch im Blumensteg 9a.

Ein weiterer praktizierender Arzt war Dr. Richard Naurath. Er praktizierte von 1947 bis 1954 anfangs in der Bahnstraße 33, danach in der Karl-Marx-Straße 69.

Von etwa 1947 bis Mitte der 70er Jahre praktizierte im Blumensteg 5 der Sanitätsrat Bernhard Zschiesche als praktizierender Arzt.

Ab 1953 wurde im Heideweg Ecke Bahnstraße eine Außenstelle der Kreispoliklinik Falkensee eingerichtet. Ärzte dieser Ambulanz waren in zeitlicher Reihenfolge: 

,Dr. Werther, Dr. Plathe, Frau Dr. Hammer, Dr. Jesinghaus und für kurze Zeit Dipl. med. Marion Zug, Dr. Diedrich und Frau Dr. Zirwick.

Außerdem hielten dort Fachärzte ihre Sprechstunden ab. Dort erfolgten Diabetikertests, Mütterberatungen und therapeutische Behandlungen.

1992 erfolgte die Schließung der medizinischen Einrichtung.

Ab Ende der 50er Jahre wurden im Gummiwerk durch Betriebsarzt Dr. Plathe Sprechstunden abgehalten. Außerdem wurden im damaligen Ärztehaus therapeutische Behandlungen durchgeführt. Dieses Ärztehaus stand etwa dort, wo sich heute die Sparkasse im Forstweg befindet. Es musste damals wegen der Betriebserweiterung des Gummiwerkes weichen. Aus diesem Grunde wurde 1973/75 das Betriebsambulatorium durch die örtlichen Betriebe im Forstweg - Ecke Franz Mehringstraße erbaut und 1975 seiner Bestimmung übergeben.

Betriebsärzte waren in zeitlicher Folge: 

Frau Dr. Radzewitz, Frau Dr. Hammer und Dipl. med. Marion Zug. Als der Zahnarzt Heinz Kramm seine Praxis aus Altersgründen schloss, wurde etwa 1977 eine Zahnarztabteilung im Betriebsambulatorium eingerichtet. Anfangs war dort Frau Dr. Neuberg und ab 1978 Frau Dr. Vödisch tätig. Im Betriebsambulatorium erfolgten auch Laboruntersuchungen und therapeutische Behandlungen.

Von auswärtigen Ärzten erfolgten z.B. HNO-Sprechstunden. Außerdem hatten die Gemeindeschwestern in diesem Gebäude ihre Räumlichkeiten.

Mitte der 70er Jahre beendete auch Zahnarzt Hellmuth Mädel aus Altersgründen seine Tätigkeit. Diese Praxis, die sich in der oberen Etage der damaligen Bahnhofsdrogerie befand, übernahm der Zahnarzt Dr. Vödisch.

Nicht unerwähnt sollte der sogenannte Röntgenzug bleiben. Dieser fahrbare Röntgenwagen stand mehrere Tage in der Thälmannstraße in der Nähe der Löwenapotheke. Dort wurden alle Erwachsenen bis 1973 einmal jährlich, und danach alle zwei Jahre, mittels Lungen - Schirmbildaufnahme vorsorglich geröntgt. Nach einem festgelegten Plan fuhr der Röntgenzug zu anderen Gemeinden weiter.

Die Wende brachte Anfang der 90er Jahre sowohl für die Ärzte als auch die Patienten grundlegende Veränderungen im Gesundheitswesen, denn bundesdeutsche Strukturen wurden nun auch in unserer Gemeinde eingeführt. Die Ärzte, die solange in einer staatlichen Poliklinik bzw. Abulatorium tätig waren, mussten sich nun selbständig machen, also privatisieren.

Die oberen Räume der damaligen Bahnhofsdrogerie (heute Küchenfachberatung), in denen Herr Dr. Vödisch alleine tätig war, wurden 1991 neu gestaltet und nun auch von Frau Dr. Vödisch bis zum Juni 1998 als Gemeinschaftspraxis betrieben. Danach erfolgte ein Umzug in die Räume der ehemaligen Lebensmittelverkaufsstelle Gomoll, Thälmannstraße 1, die seitdem die gemeinsamen Praxisräume sind.

Im Sommer 1991 wurde das ehemalige Betriebsambulatorium Forstweg Ecke Mehringstraße außen und innen neu gestaltet und hier praktizieren Frau Dipl. med. Marion Zug in der Allgemeinmedizin und Dipl. Stom. Dieter Zug als Zahnarzt und zusätzlich seit 01.01.2000 Zahnfachärztin Inge Meyer.

Im hinteren Teil des Gebäudes hat die Brieselanger Sozialstation ihre Diensträume. Es ist eine Zweigstelle des Gemeinschaftswerkes Sozialer Dienste Nauen e.V.

Nach dem Umzug von der Poliklinik Heideweg ins Haus der Dienstleistungen Wustermarker Straße 1 praktiziert Herr Dr. Jesinghaus seit März 1992 in dieser neuen Praxis. In dieser Praxis werden auch Sprechstunden von dem Gynäkologen Dr. med. Prott einmal wöchentlich abgehalten.

Im gleichen Gebäude befindet sich seit 1998 in der oberen Etage die Naturheilpraxis von Frau Susanne Wenzke, und seit Anfang der 90er Jahre in den Kellerräumen die Massagepraxis von Udo Dresel. Zuvor war Herr Dresel im Betriebsambulatorium tätig.

Ein weiterer praktischer Arzt ist Herr Matthias Drescher. Seit 1993 praktizierte er zunächst in der Bahnstraße 5 und seit 1998 Am Markt 4.

Seit etwa 1998 finden wir die Dipl. Psychologin Dr. Annegrit Kahle in der J.-F.-Steege-Siedlung 27 und in der Tschaikowski Straße 8 befindet sich die Praxis der Heilpraktikerin Mary Mika.

Telefonisch sind die Hebammen Beate Helm-Ludwig, Marion Pauly, Heike Sänger und Jana Trebeljahr erreichbar.

Die eingangs erwähnte Löwenapotheke in der Thälmannstraße war zu DDR-Zeiten eine staatliche Apotheke. Im Jahre 1981 erfolgte der Umbau der Inneneinrichtung. Einen erneuten Umbau gab es 1991 und aus der staatlichen wurde nun eine privat geführte Apotheke von Pharmazierat Werner Malchow. Der Umzug von der Thälmannstraße in die Apotheke Am Markt 4 erfolgte 1997.

Auch für die Patienten gab es nach der Wende grundlegende Veränderungen. An Stelle der Staatlichen Sozialversicherung stehen dem Arbeitnehmer nun unterschiedliche Krankenkassen zur Verfügung. Der über 40 Jahre bewährte Ausweis für Arbeit und Sozialversicherung wurde zunächst durch Krankenscheine und ab 1.1.1995 durch die Chipkarten, durch Versicherungsnachweisscheine, Impfausweise, Bonushefte usw. ersetzt.

Für die vom Arzt verschriebenen Medikamente, die zu DDR-Zeiten kostenfrei erhältlich waren, müssen in den Apotheken nun Zuzahlungen je nach Packungsgrößen N1=8 DM, N2=9 DM, N3=10 DM erfolgen, Zuzahlungen auch für besondere Brillen und z.B. speziellen Zahnersatz. Von Zuzahlungen sind Einkommensschwache ausgeschlossen, sobald sie Nachweise erbringen können, unter einem bestimmten Monatseinkommen zu liegen.

Für den stationären Krankenhausaufenthalt muss der Patient ebenfalls einen Eigenanteil bezahlen und für einen eventuellen Krankentransport wird er ebenfalls zur Kasse gebeten.

Besonders kritisch wird die Situation jedoch für die Ärzte und Patienten stets zum Jahreswechsel, wenn das Arzneimittelbudget ausgeschöpft ist und die Krankenkassen ihre Leistungen versuchen zu kürzen.

In der freien Marktwirtschaft ist es auch möglich, Medikamente im Supermarkt zu kaufen, über eventuelle Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker oder ganz einfach - ihre Nachbarin!



 

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