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BK I/09 - 03.09.2000 |
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Brieselanger Chronik von Arno Heinrich Heute: 1951/52 Bau des Havelkanals |
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Da der Bauzustand der Verwaltungsbaracke des Gummiwerkes, die damals längs der Wustermarker Straße stand, sich von Jahr zu Jahr verschlechterte, erfolgte 1987/88 der Bau des RE80 auf dem ehemaligen Parkplatz des Werkes. Doch ein Umzug in dieses Gebäude erfolgte durch die Verwaltung nicht, da sich durch die bevorstehende Produktionsaufnahme von Zahnflachriemen eine neue Situation in Punkto Arbeitskräftebedarf ergab. Aus der nahen Region standen die Arbeitskräfte jedoch nicht zur Verfügung. Deshalb wurde von der Kombinatsleitung beschlossen, ausländische Arbeitskräfte, und zwar aus Mosambik, in die Produktionsbereiche Mischungsherstellung und Vulkanisation einzusetzen. Zur Unterbringung der 53 Arbeitskräfte wurde das neu erbaute Gebäude, nun allgemein als Ausländerwohnheim bzw. Maputo-Bau bezeichnet, für diesen Zweck eingerichtet. Eine eigens dafür gebildete Arbeitsgruppe, die aus Abteilungsleitern des Betriebes bestand, rotierte hektisch, denn die 4-Personen-Zimmer und sonstige Räumlichkeiten mussten in kürzester Frist bezugsfertig sein. In dem Gebäude wurden zusätzliche sanitäre Anlagen eingebaut und die Zimmer mit Betten, Schränken, Tischen, Stühlen, Lampen und Gardinen eingerichtet. Aber auch Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirr wurden vom Betrieb angeschafft, ebenso Bettwäsche, Decken, Handtücher und Arbeitsschutzbekleidung. Am 17. Dezember 1988 erfolgte die Ankunft der Arbeitskräfte vom warmen afrikanischen Kontinent ins winterliche Brieselang. Für die 53 jungen Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren begann ein neuer Lebensabschnitt. An den folgenden Tagen erfolgten medizinische Untersuchungen, gemeinsame Einkäufe in unserer Gemeinde sowie in Nauen und Falkensee. Hierbei erfolgte eine Einkleidung mit warmen Wintersachen. Um eine schnelle Verständigung mit den hiesigen Betriebsangehörigen zu erreichen, erfolgte eine Unterrichtung der deutschen Sprache, die den jungen Männern trotz Lerneifer sehr schwer fiel. Außerdem erfolgte eine fachliche Einarbeitung in den zuvor erwähnten Abteilungen des Betriebes. Eine Wohnheimordnung gab den Bewohnern die Verhaltensregeln vor. Die Rezeption des Heimes war rund um die Uhr mit hiesigen Kollegen besetzt und ein Heimleiter war für das gesamte Objekt zuständig. Weiterhin war eine Reinigungskraft und ein Hausmeister beschäftigt. Die ärztliche Betreuung wurde vom Betriebsambulatorium wahrgenommen, die Verköstigung erfolgte durch die Werkküche des Betriebes, aber auch eine individuelle Zubereitung in der Heimküche war möglich. Nach einer gewissen Zeit hatten sich die meisten an das hiesige Arbeitsleben gewöhnt und gliederten sich in die Gemeinschaft Gleichaltriger ein. Die Aufenthaltsdauer war für vier Jahre vorgesehen, doch diese Zeit konnte nicht eingehalten werden. Die Wende mit der folgenden Währungsunion und dem Umtauschkurs von zwei Ost-Mark in eine D-Mark, verschlechterte die Auftragslage des Betriebes rapide. Somit war ein Arbeitskräfteabbau unabdingbar, zumal das Ausländerwohnheim dem Betrieb Kosten verursachte, die aus marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr tragbar waren. Aus diesen Gründen bestand die Notwendigkeit, den ersten 15 Mosambikanischen Arbeitskräften zum 31.08. und den Restlichen zum 30.09.1990 zu kündigen. Die ausländischen Arbeitnehmer waren natürlich enttäuscht über die Situation, die sich ergeben hatte, zumal sich ihnen in ihrem Heimatland auch keine Existenzaussichten boten. Die Geschäftsleitung des Gummiwerkes berief sich jedoch auf die geltende Gesetzeslage. Nach der Kündigung durften die Betroffenen noch zwei Monate im Wohnheim verbleiben. Für diejenigen, die in ihr Heimatland heimkehren wollten, stellte der ehemalige Arbeitgeber einen Heimflug und eine Abfindung in Höhe von 3.000 DM in Aussicht. Dieses Angebot nahm wohl auch die Mehrheit der Betroffenen an, denn die ersten Transportkisten wurden in Container verladen und vor 10 Jahren nach Mosambik versandt. Das Inventar des Heimes wurde preisgünstig an einheimische Betriebsangehörige verkauft, das meiste landete jedoch im Sperrmüll. Nach der Räumung des Gebäudes wurden die Räume von Dienstleistern genutzt, dementsprechend war nun der neue Name „Haus der Dienstleistungen". |
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