BK I/10 - 08.10.2000

Brieselanger Chronik von Arno Heinrich

Heute: Die Gaststätte "Brieselanger Rosengarten"

Der Brieselanger Rosengarten wurde in mehreren Bauphasen errichtet. Zunächst wurde durch Otto Möhring der auch zu den ersten Siedlern Brieselangs gehörte, ein Wohnhaus erbaut, in dem eine Schrankwirtschaft eingerichtet wurde. Am 7. Dezember 1921 wurde ein Gesuch zur Genehmigung der Schrankkonzession gestellt, die von den Behörden zunächst als begrenzte Konzession genehmigt wurde. Baupläne zum Anbau eines Tanzsaales bestanden schon im Jahre 1924. Die Fertigstellung des Saales verzögerte sich jedoch bis 1929. Ein Jahr später erfolgte der Antrag auf die Erteilung der Genehmigung einer Gastwirtschaft, in dem über 50 Fragen zu beantworten waren. Unter anderen wurde gefragt: nach dem Zustand der zwei Fremdenzimmer, nach dem Anfahrtsweg, nach Unterstellmöglichkeiten für die Pferde der Reisenden, nach den Sanitären Anlagen sowie eventueller gewerbsmäßiger Unzucht. Der Ausschank und die spätere Gastwirtschaft wurden von Frau Gertrud Möhring betrieben, die jedoch 1936 verstarb. Schwiegersohn Gustav Hummel übernahm bis etwa 1942 die Gaststätte. Danach, bis Kriegsende 1945 waren die Räumlichkeiten der Firma Siemens u. Halske angemietet, um Fremdarbeiter dort unterzubringen. Nach 1945 werden die Aussagen vom Zeitzeugen folgende Personen als Betreiber des Rosengarten genannt: Eichhorn, Willi Isemer, Krone sowie die zweite Frau des Otto Möhreing - Frau Ilse Möhring. Diese verließ etwa 1955 die DDR und ging zu ihrem Mann, der schon in Westberlin gewohnt haben soll. Der Rosengarten ging nun in staatliche Hände und wurde HO - Gaststätte unter dem Gaststättenleiter Heinz Brune. Dieser leitete das Objekt bis zum Jahre 1976, danach Alfred Baumeister bis zur Schließung.

Ab Sommer 1976 bis Mai 1079 erfolgte eine Umfangreiche Rekonstruktion des gesamten Rosengartens. Am Saal wurden folgende Baumaßnahmen ausgeführt.

  • Die Saaldecke wurde stabilisiert, danach eine Zwischendecke eingezogen
  • Es erfolgte der Anbau einer Garderobe mit zusätzlichem Eingangsbereich
  • Auffüllung des Fußbodens auf gleicher Ebene
  • Umstellen der Ofenheizung auf Zentralheizung
  • Veränderung der Bühne mit Stufen
  • Veränderung des Zugangs vom Gaststättenbereich zum Saal
  • Modernisierung der Toiletten

 

Für den Gaststättenbereich erfolgte der Einbau von zusätzlichen Toiletten links vom Gaststätteneingang, später die Umstellung von Ofen- auf Zentralheizung. Seit Bestehen der Saales fanden darin unzählige Veranstaltungen statt:

 

  • Öffentliche Sitzungen der Gemeindevertretung
  • Wahlversammlungen
  • Filmvorführungen
  • Kulturveranstaltungen
  • Veranstaltungen der Schule:
  • Schulabschlussfeiern, Jugendweihe, Chorproben; Versammlungen zur Elternbeiratswahl
  • Sportunterricht vor dem Turnhallenbau
  • Ausgabe der Schulspeisung bis etwa 1975

 

  • Betriebsfeste und Frauentagsfeiern der Betriebe
  • Weihnachtsfeiern der Volkssolidarität
  • Training der Turnierriege (30 Jahre)
  • Kleintierausstellung bis 1975
  • Sonderverkäufe von Industrie- und Wirtschaftswaren
  • Veranstaltungen im Rahmen der Betriebsfestspiele bzw. der Kirmes- und Heimatfeste
  • Veranstaltungen des Männerchores "Harmonie Brieselang":
  • Chorkonzerte, Masken- bzw. Zillebälle, oft mit Tombola
  • Feuerwehrbälle der freiwilligen Feuerwehr Brieselang
  • Sportlerbälle der Fußballer
  • Tanzveranstaltungen sonstiger Vereine
  • Interne Familienfeiern im Gaststättenbereich oder im Saal

Tanzkapellen der Region wurden für diese Veranstaltungen verpflichtet und spielten bis 2 Uhr abends aber auch bis 5 Uhr in der Frühe zum Tanz auf. Es waren die Tanzkapellen: Karl Kiesandt, Rudi Müller, Hermann Schmidtke, Meissner, Lunik Combo, Gummiwerk Combo, Atlantis, Quo - Vadis - Band, Diana Formation, Pocket - Band. Ab etwa 1980 wurde zunehmend auch Disko-Musik verpflichtet. - Aber nicht nur Vereine veranstalteten Tanzvergnügen, sondern im Rosengarten war Ende der 40er Jahre bis Anfang fünfziger Jahre jeweils am Sonnabend, Sonntag und Mittwoch öffentlicher Tanz mit der Hauskapelle Rudi Müller. In den achtziger Jahren veranstaltete das Ehepaar Baumeister an den Wochenenden Disko - Veranstaltungen für die Jugend der Region, die sich auch noch Anfang der neunziger Jahre fortsetzten. Nachdem der Gastwirt Alfred Baumeister aus gesundheitlichen Gründen sein Gewerbe abmeldete und sich kein Nachfolger fand, wurde der Rosengarten zum 1.10.1996 geschlossen. Ein Kauf der Immobilie durch die Gemeinde Brieselang von der Alteigentümer - Erbengemeinschaft ist bisher gescheitert, da die Gemeinde die finanziellen Mittel nicht aufbringen kann, die als Kaufsumme gefordert werden. Klirrten einst die Scheiben durch den harten Disko - Sound, so besorgen es nun Randalierer. Zurzeit sieht der Rosengarten verheerend aus und der weitere Verfall schreitet voran.



 

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