BK I/07 - 09.07.2000

Brieselanger Chronik von Arno Heinrich

Heute: Entwässerungsgräben - 

           machten die Besiedelung Brieselangs erst möglich!

Der Name Brieselang ist wendischen Ursprungs und setzt sich aus “berecza” die Birke und “lanc” Sumpf bzw. Bruch zusammen. Brieselang bedeutet also Birkensumpf.

Vor hundert Jahren war unser heute besiedeltes Gebiet südlich der Bahnlinie noch teils bewaldet, bezeichnet als Bredower Vorholz. Nördlich der Eisenbahnlinie erstreckte sich ein ausgedehntes Wiesen- und Weidegebiet der Dörfer Bredow aber auch Falkenhagen. Vor allem im Frühjahr waren diese Weidegründe größtenteils überschwemmt, nur der Nölte´sche Sandberg, der heutige Standort der Schulen ragte trocken heraus.

In den Jahren des 1. Weltkrieges (1914 - 1918) wurde dieses Wiesenareal, aber auch das sumpfige Moorgebiet südlich der Zeestower Chaussee bis hin nach Dallgow und Finkenkrug durch ein System von Entwässerungsgräben trocken gelegt.

Die Arbeiten wurden vorwiegend von russischen Kriegsgefangenen ausgeführt. Diese waren in einfachen Lagern an den einzelnen Baustellen untergebracht und standen unter der Aufsicht von Straßenbaumeister Wilski. Das Hauptlager stand dort, wo heute noch die Reste des späteren Kreisgutes zu sehen sind, in der Nähe der Gaststätte “Zur alten Schmiede”.

Zu den Hauptprojekten der damaligen Zeit gehörte der Bau des Nauen-Paretzer-Kanals. Dieser kam von Paretz und fließt noch heute von Zeestow an Bredow vorbei bis hin zum Havelländischen Hauptkanal (Großer Graben) ins Nauener Luch. Für die Entwässerung unseres Siedlungsgebiets spielt dieser Kanal sowie der von Falkensee-Finkenkrug kommende Schlaggraben eine Schlüsselrolle. Der Schlaggraben mündete damals bei Zeestow in den Nauen-Paretzer-Kanal, heute in die Anlagen des Schöpfwerkes Zeestow. Einer der wichtigsten Gräben für Brieselang Nord war und ist der Hauptgraben nördlich längs der Bahnlinie. In diesen münden die sogenannten Beetgräben, die das nördliche Gebiet quer durchlaufen und entwässern. Zur Entstehungszeit war der sogenannte “Russengraben”, welcher längs der Wustermarker Straße verläuft und dann schräg abbiegt, die einzige Verbindung vom Hauptgraben längs der Bahnlinie zum Schlaggraben.

Dieses damalige Grabensystem war für die Entwässerung der Wiesen zwar ausreichend, jedoch stellte sich in den nassen Jahren 1925/26 heraus, dass es für das nun besiedelte Gebiet nicht ausreichte. Die Folgen waren, die Siedler hatten Wasser in den Kellern, die Straßen waren aufgeweicht und die Frühjahrsbestellung der Gärten verzögerte sich.

In der Gemeindevertretung wurde deshalb beschlossen, das Grabensystem der Gemeinde durch zusätzliche Gräben zu erweitern und die bestehenden zu vertiefen und zu verbreitern. Der Kreis hatte sich ebenfalls bereit erklärt, dieses Projekt mit 10.000 Reichsmark zu unterstützen.

Im Jahre 1927 und im Frühjahr 1928 wurde ein ca. 3km langer Hauptgraben, bezeichnet als “Neuer Graben” von einem aus früherer Zeit bestehenden Durchfluss unter der Bahnlinie in Höhe der Fichtestraße in Richtung Bredow zum Nauen-Paretzer-Kanal fertiggestellt. Bei diesem Graben mussten pro laufendem Meter im Durchschnitt 7m³ Erde bewegt werden. Probleme gab es besonders im Gebiet des früheren Bredower Torfstiches (westlich der späteren und nun stillgelegten Brieselanger Müllkippe) da dieses Gebiet das ganze Jahr über nass wie ein Schwamm war. Im Frühjahr 1928 wurde der zuvor erwähnte Durchlass an der Fichtestraße weiter ausgebaut. Dieser hatte nun ein höheres Abführvermögen als der Durchlass am Bahnhof, der längs der Wustermarker Straße das Wasser weiterleitet.

Mit dem Ausbau und Neubau von Gräben wurde im östlichen Siedlungsgebiet zuerst begonnen, danach erfolgte der westliche Teil. Hier entstand auch ein weiterer Hauptgraben, der entlang des Bredower Dammes (heute Paul Mewes Damm) an den Durchlass in Höhe der Fichtestraße eine Anbindung an den zuvor beschriebenen Graben, Richtung Nauen-Paretzer-Kanal, erfuhr.

Bei dem Entwässerungsprogramm der 20er Jahre erwarb sich Herr Otto Zschiesche, der jahrelang verschiedene Funktionen in der Gemeindevertretung inne hatte, besondere Verdienste.

1934/35 wurde der Bau des Vorfluter Brieselang-Zeestow, der sogenannte Alte Kanal, vollzogen. Der Kanal bildete nun die Westgrenze der Gemeinde und verband den Nauen-Paretzer-Kanal mit dem Havelländischen Hauptkanal bzw. Großen Graben. Dieser Bau war sowohl eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, diente aber vor allem einer noch besseren Entwässerung, denn der Hauptgraben entlang der Bahnlinie und auch der Neue Graben flossen auf kürzestem Weg nun direkt in den neu erbauten Kanal. Durch ein Wehr, welches sich in Höhe des heutigen WWZ befand, konnte der Wasserstand reguliert werden.

Am Uferbereich des Kanals hatte sich schnell ein Schilfgürtel gebildet und der Fischreichtum war bemerkenswert. Im Frühjahr kamen verschiedene Fischarten in die Hauptgräben zum Ablaichen. So konnten große Hechte beobachtet werden. Zwischen 1936 und 1939 entstand dann die Brieselanger Badeanstalt am Kanal (heute Bootsliegeplatz).

1951/52 wurden Teilabschnitte des Nauen-Paretzer-Kanals, des Alten Kanals und des Niederneuendorfer Kanals zum Havelkanal ausgebaut. Dieses brachte erneut Veränderungen im Brieselanger Entwässerungssystem. Die Abflüsse des Grabens entlang der Bahnlinie und des “Neuen Grabens” wurden zum Havalkanal unterbunden, da die Befürchtung bestand, dass bei erhöhtem Wasserstand der Havel und zwangsläufig auch des Havelkanals (denn der Kanal hat nur eine Schleuse bei Schönwalde) Brieselang nicht entwässert, sondern bewässert würde. Und in der Tat, nach dem Bau des Havelkanals, konnten die optimalen Wasserstände, die nach 1935 eingetreten waren, trotz anschließender Maßnahmen, in Brieselang nicht mehr erreicht werden.

Es wurde ein neuer breiter Hauptgraben hinter den Grundstücken parallel zur Jahnstraße ausgehoben und an den Graben entlang der Bahnlinie angebunden. Weiterhin wurde vom zuvor erwähnten Durchlass in Höhe der Fichtestraße nach Brieselang Süd ebenfalls ein neuer breiter Hauptgraben ausgehoben. Hierfür wurde die kleine Querstraße (Am Niederhof), die parallel zwischen “Am Kienast” und “Weidenweg” verlief, genutzt. Dieser Graben verläuft in Richtung Zeestow und findet Abfluss in den Mittelgraben, welcher etwa 300 m südöstlich vom Zeestower Schöpfwerk in den Schlaggraben mündet.

"Ein Jahr nach Inbetriebnahme des Havelkanals konnte auch das Zeestower Schöpfwerk 1953 in Betrieb genommen werden. Es hat eine Schöpfleistung von 10m³/sek., durch seine Anlagen sind die gewünschten Wasserstände gewährleistet", so dargestellt in einem Fachbericht. Doch die Brieselanger haben in den letzten Jahrzehnten auch andere Erfahrungen gemacht. In den letzten 25 Jahren gab es 1975, 1979 und 1981 im Winter und Frühjahr in unserem Siedlungsgebiet sehr hohe Wasserstände. So lag z.B. im Februar 1979 bis in den März hinein eine geschlossene Schneedecke von 40 cm. Bei einsetzendem Tauwetter setzten dann zusätzlich noch anhaltende Regenfälle ein. 

Die Folgen waren:

In den Kellern und Wasseruhrschächten sammelte sich das Wasser bis zu einem halben Meter und mehr.

Tiefliegende Garagen waren überschwemmt.

Die damalige Brückenunterführung am Havalkanal war wochenlang wegen Überflutung gesperrt.

Die Straßen waren aufgeweicht und nicht befahrbar.

Die Gärten waren nass und modrig.

Die Entwässerungsgräben führten Hochwasser.

Änderungen und Erweiterungen nach der Wende:

Während der Bauarbeiten an der IC-Trasse der Deutschen Bahn AG erfolgten im Jahre 1996/97 die Verlängerungen der Grabendurchlässe (Düker) am Bahnhof und Fichtestraße. Der Hauptgraben entlang der Bahn (Nr. 509) erfuhr Verrohrungen als Umgehung des Bahnhoftunnels und des Tunnels Schillerstraße, ebenso wurde das westliche Ende gleichen Grabens vorrohrt.

Im Jahre 1996 erfolgte während der Erschließungsarbeiten im neuen Siedlungsgebiet Süd die Anlegung eines verzweigten Grabensystems mit einem Ökoteich, in dem sich heute schon Fische aufhalten. Die Entwässerung des Gebietes erfolgt in den Graben Nr. 506 (Russengraben).

Etwa Mitte der 90er Jahre erfolgten umfangreiche Arbeiten am Grabensystem durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die nun leider ausgelaufen ist. Während dieser Zeit erfolgten vor allem die Freilegungen der Durchlassrohre unter vielen Straßen sowie der Aushub an verschiedenen Grabenabschnitten. Weiterhin wurden in Brieselang, z.B. im Jahre 1999, vom Wasser- und Bodenverband Nauen an einer Grabenlänge von 16,25 km Böschungs- und Sohlkrautungen ausgeführt. Dieses ist auch von großer Wichtigkeit. Außerdem sollten die Anlieger an Gräben darauf achten, dass die Gräben nicht dazu genutzt werden, um Rasenschnitt, Laub, Müll und Bauschutt billig loszuwerden. Illegale Abwassereinleitung (Fäkalien) sollte sich nicht nur vom Gesetz her, sondern auch vom Umweltverständnis der Anwohner her verbieten.

Je besser unser wohldurchdachtes Grabensystem in Ordnung gehalten wird, desto weniger haben wir Brieselanger Probleme mit übermäßiger Nässe. Dieses setzt aber auch voraus;

dass von Zeit zu Zeit ein Aushub der Grabensohlen erfolgt, um einen natürlichen, reibungslosen Abfluss in Richtung Schlaggraben zu ermöglichen, und

dass wuchernde Gehölze und Wasserpflanzen entfernt werden.

Von großer Wichtigkeit ist auch die Kontrolle der Durchlässe unter der Bahnlinie und unter den Straßen, sowie des gesamten Grabensystems.



 

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