BK III/01 - 18.01.2001

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Barlachstraße

Wenn es in Brieselang Nord noch eine Straße gibt, die im Sommer wie Winter gut zu befahren ist, die bei Dunkelheit hell beleuchtet ist, in der die Kinder weitgehend gefahrlos spielen können, weil zur Spielstraße erklärt, und niemand unbedingt mit Gummistiefeln vors Haus muss, dann kann es sich durchaus um die Barlachstraße handeln.

An die 40 Familien leben hier seit etwa dem Jahr 1996. In der Barlachstraße stehen ausschließlich Reihenhäuser, so dass auch gern von der Barlach-Siedlung gesprochen wird. Es handelt sich also um eine nagelneue Straße, die in ihrer jetzigen Form nicht älter als fünf Jahre ist. Wer von der Fichtestraße kommend, durchgerüttelt auf der Insel der Befahrbarkeit landet, darf erst einmal kräftig durchatmen, denn auf der anderen Seite, dem Wiesenweg, geht die Rüttelei weiter. Seien wir also dankbar für solche Oasen in der Wüste und vor allem für die Anlieger, die mit ihren gezahlten qm-Preisen die Qualität möglich gemacht haben.

Die Barlachstraße ist benannt nach dem deutschen Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller Ernst Barlach, der von 1870 bis 1938 lebte. Er wurde am 2. Januar als Sohn eines Landarztes in Wedel (Holstein) geboren. Als Student schrieb er sich an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, der Kunstakademie in Dresden und letztlich auch an der Academie Julian in Paris ein.

Im Jahre 1906 unternimmt er in Begleitung seines Bruders eine achtwöchige Reise nach Russland und in die Ukraine, die ihn fortan beeinflusste. Die erlebte russische Volkskunst, besonders aber die Holzschnitzereien, beflügelten seine Arbeiten.

1907 als Mitglied der "Berliner Secession" beginnt er zu schreiben. Zu seinen wichtigsten literarischen Werken gehören die Dramen "Der arme Vetter", "Die Sündflut" und der Roman "Seespeck". 1924 wird er für seine dramatischen Arbeiten mit dem Kleistpreis geehrt.

Nach einem einjährigen Aufenthalt in Florenz, wo ihm durch ein Stipendium ein Atelier zur Verfügung gestellt wurde, zieht er schließlich 1910 nach Güstrow in Mecklenburg. Als Vertreter des norddeutschen Expressionismus übernimmt er eine gesonderte Rolle. Er formt einfache, monumental wirkende Plastiken aus Holz, Ton oder Bronze, die den Menschen als leidend, gedemütigt, aber mit Visionen erfüllt, darstellen. Er reduziert dabei das Äußere, das heißt den Körper seiner Figuren, auf das Nötigste, um in ihren Gesichtern und Händen seine innere Verfassung darzustellen.

Als Landsturmmann erlebte er den ersten Weltkrieg und verarbeitet das Gesehene in Arbeiten, die das Leid des Krieges dokumentieren. Er übernimmt Aufträge zu Antikriegsdenkmälern, wie zum Beispiel im Magdeburger Dom oder in Kiel 1926. Hier bereits beginnen Angriffe und Kritik auf seine Kunst und seine Person, so dass einige Aufträge unvollendet bleiben.

Obwohl seit 1919 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, werden seine Werke 1936, wie die von Käthe Kollwitz, in der Jubiläumsaussstellung der Preußischen Akademie der Künste beschlagnahmt. 1937 gar erteilen die Nationalsozialisten ein generelles Ausstellungsverbot und beschlagnahmen 371 seiner Arbeiten. Als "Entartete Kunst" werden Teile seines Schaffens in diesem Jahr gezeigt und dem Hass und der Verachtung preisgegeben.

Am 24. Oktober 1938 stirbt Ernst Barlach in Rostock und wird auf dem Domfriedhof in Ratzeburg beigesetzt. Große Teile seines Werkes sind heute in der Ernst-Barlach-Gedenkstätte in Güstrow und im Ernst-Barlach-Haus Hamburg zu sehen. I.E.G.



 

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