BK II/03 - 17.03.2001

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Bodelschwinghstraße

Weit im Norden Brieselangs liegt die Bodelschwinghstraße, die um 1940 entstand und vermutlich seit Bestimmung der Straße so heißt. Als eine kleine Parallelstraße zur Fichtestraße hat sie noch keine Pflastersteine oder gar Asphalt gesehen. Voraussichtlich wird das auch noch sehr lange so bleiben. Die Bewohner werden sich ebenso, wie der evangelische Pfarrer, der Namenspatron der Straße, in Demut üben müssen.

Friedrich von Bodelschwingh wurde vor 170 Jahren am 6. März 1831 als Kind eines preußischen Ministers in Tecklenburg geboren. Da die Familie einem alten westfälischen Adelsgeschlecht entstammt, gehörten zu den Spielgefährten des kleinen Friedrich der preußische Kronprinz und spätere Kaiser Friedrich III .

Als sechstes Kind der Familie hat er kein Landerbe zu erwarten. So beginnt er mit 20 Jahren als Gutsverwalter in Gramenz (heute Polen) zu arbeiten. Im Angesicht des Elends der Landarbeiter beginnt Bodelschwingh sich fürsorglich dieser anzunehmen. Er beginnt Theologie zu studieren, um Missionar werden zu können

Nach seinem Studium 1858 reist er nach Paris, um in der deutschen Gemeinde zunächst als Hilfsprediger, später als Pfarrer zu arbeiten. Auch hier gilt seine Sorge vor allem den armen deutschen Arbeiterfamilien. 1864 wird er Pfarrer in Dellwig an der Ruhr und wird in seiner Amtszeit 1866 als Feldprediger im Preußisch-Österreichischen Krieg und 1870/71 im Deutsch-Französichen Krieg die Schrecken der Schlachtfelder kennenlernen.

1872 wird Friedrich von Bodelschwingh Leiter der fünf Jahre zuvor in Bielefeld gegründeten "Rheinisch-westfälischen Anstalten für Epileptische." Er übernimmt das Amt des Vorstehers in der westfälischen Diakonissenanstalt "Sarepta", die sich räumlich neben der Anstalt für die Epileptiker befindet. Es entsteht eine kirchlich und kommunal selbständige Siedlung kleinstädtischen Charakters mit über 4.000 Kranken und Gesunden, die wie in einer großen Familie zusammenleben und gemeinsam arbeiten. Sie erhielt den Namen "Bethel", was soviel wie "Haus Gottes" heißt.

Im "Haus Gottes" sollte einer dem anderen dienen. Der Anstaltsleiter stellte sein Leben in den Dienst der Menschen in Not, egal ob sie krank, behindert oder heimatlos waren. Für umherziehende, arbeitslose Männer gründete Bodelschwingh die ersten Arbeiterkolonien. Aus seiner überzeugenden Glaubenskraft und seiner großen Liebe für den betreuten Menschen erwuchs mit Hilfe vieler Mitarbeiter das heutige Bethel: die größte diakonische Einrichtung Deutschlands. Die Bodelschwinghschen Anstalten verfügen heute über mehr als 100 Einrichtungen mit 5.800 Plätzen. Mehr als 9.000 Menschen arbeiten in den Wohnheimen und Kliniken der verschiedensten medizinischen Fachbereiche sowie den 24 Handwerks, Dienstleistungs- und Handelsbetrieben, Schulen und beruflichen Ausbildungsstätten.

Nach dem Tod Friedrich von Bodelschwinghs am 2. April 1910 übernimmt sein gleichnamiger Sohn die Leitung des vom Vater geschaffenen Werkes. Dieses Modell wird in der Folgezeit zum Vorbild für viele daraufhin gegründete Fürsorgeeinrichtungen. Unter anderem auch die Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal bei Berlin. I.E.G.



 

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