BK III/04 - 18.04.2002

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Dahnstraße

Wir sind im Süden Brieselangs. Die Dahnstraße bildet die Verlängerung der Reuterstraße Richtung Süden und endet nach einer Kurve auf der Hebbelstraße. Sie ist eine echte Zauberstraße. Auf der Ortskarte von 1933 ist sie als geplante Straße bereits eingezeichnet, jedoch ohne Namen. Auf der folgenden Karte 1940 taucht sie nicht mal mehr als künftig mögliche auf. 1991 endet sie auf der Freiligrathstraße und Hokuspokus heute wie gesagt auf der Hebbelstraße.

Ihre Nachbarschaft zu den Schriftstellerstraßen lässt darauf schließen, dass auch Dahn dieser Zunft zuzurechnen ist. Und tatsächlich, Felix Ludwig Julius Dahn war Schriftsteller. Doch nicht nur das. Er war, was wir heute sagen würden, ein echtes Multitalent. Geboren am 9. Februar 1834 in Hamburg, wächst er als der älteste Sohn einer deutsch-französischen Schauspielerfamilie auf. In München beginnt er ein Jura- und Philosophiestudium. In Berlin promoviert er zum Dr. jur. und erhält nach seiner Habilitation eine Dozentur für Deutsches Recht an der Universität München. 1863 wurde er Professor in Würzburg und erhielt 1872 einen Lehrstuhl in Königsberg und 1888 in Breslau.

So recht geliebt haben kann er die Juristerei jedoch nicht haben. 1872 schrieb er über die preußische Juristenausbildung: "Der ganze Betrieb ist so banausisch, so unwissenschaftlich wie möglich... Die preußische Drillung der Juristen muss nicht sein und hat alle Erfolge gegen sich: sie ist ein Jammer, ein Elend."

Doch Felix Dahn wusste sich abzulenken. Er schrieb Romane, die im ausgehenden 19. Jahrhundert "Professorenromane" genannt wurden. In den Romanen dieser Literaturgattung wurde die Liebe zur Vergangenheit geweckt auch mit dem Hintergedanken, Probleme der gegenwärtigen Zeit gefahrlos in anderen Epochen ansiedeln zu können und zu Lösungsansätzen zu führen. Seine bekanntesten Werke sind "König Roderich", "Die Kreuzfahrer" und vor allem sein größter Bucherfolg "Ein Kampf um Rom", der noch heute lesenswert ist.

Literaturkritiker schreiben im Jahr 1999 (!), dass dieses Buch mit roten Ohren gelesen wird, weil die verzweigte Handlung spannend erzählt ist. Ein anderer meint, dass es Felix Dahn gelang, in seinen blutvollen, lebendig atmenden Werken, wissenschaftlich-historische Informationen mit spannender aktionsgeladener Romanhandlung auf das Beste und Lesenswerteste zu verbinden. In dem Roman "Ein Kampf um Rom" ist Geschichte keine konkrete Realität, sondern Produkt persönlicher Leidenschaften. Und gerade das macht Geschichte so lebendig.

Felix Dahn hatte noch eine weitere Leidenschaft. Er schrieb romantische Gedichte. Als Juraprofessor und erfolgreicher Autor historischer Romane schien ihm dies vermutlich peinlich zu sein. Oder wie ist es sonst zu verstehen, dass er so herzzerreißende Gedichte wie "Ach Lieb, ich muss nun scheiden" unter einem Pseudonym veröffentlichte. Seine Vornamen Ludwig Julius bildeten den Grundstock zu dem Namen Ludwig Julius Sophus. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte er zahllose Liebesgedichte, die in ihrer Mehrzahl von keinem geringeren als Richard Strauß vertont wurden.

Am 3. Januar 1912 stirbt der Jurist, Schriftsteller und Dichter in seiner Wahlheimatstadt Breslau in Schlesien. I.E.G.



 

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