BK I/12 - 03.12.2000

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Erich - Klausener - Straße

Während Berlin einen großen pulsierenden Platz inmitten Charlottenburgs hat, der nach Erich Klausener benannt ist, kann Brieselang lediglich mit einem gerademal 100 Meter langen Sandweg dienen, der ein bisschen großspurig Straße heißt aber dennoch nach einem großen Mann benannt ist. Gemeint ist ein Straßenrudiment, das in der Zeit, als in den dreißiger Jahren die Siedlungsgesellschaft „Schrobsdorf & Hermann" auf dem heutigen Areal zwischen Fichtestraße, Lange Straße, Karl-Marx-Straße und Paul-Mewes-Damm Grundstücke erschloss und vermarktete, schlicht „Straße 29" hieß. Sie sollte einmal den Paul-Mewes-Damm mit der heutigen Karl-Marx-Straße verbinden. Heute ist sie rechts und links des Promenadenweges regelrecht abgeschnitten und zu beiden Enden eine Sackgasse. Etwa 1956 erhielt sie den Namen Erich Klauseners.

Erich Klausener war bis zu seinem Tod im Jahr 1934 bekannt als der „Rote Landrat" und stand als bekennender Katholik in vorderster Reihe für seinen Glauben. Am 25. Januar 1885 in Düsseldorf in einer streng katholischen gutbürgerlichen Familie geboren lagen ihm alle Möglichkeiten der Bildung offen. Er nutzte sie weidlich und legte damit seinen Grundstein für eine glänzende berufliche Karriere.

Nach Abschluss seiner juristischen Studien in Bonn, Berlin und Kiel promovierte er 1911 in Würzburg mit der Arbeit „Das Koalitionsrecht der Arbeiter" und schlug die Verwaltungslaufbahn ein. Seine ersten Sporen verdiente er sich im oberschlesischen Landratsamt von Neustadt und wurde schon 1913 Regierungsassessor im preußischen Handelsministerium in Berlin. Er nahm am ersten Weltkrieg als Ordonnanzoffizier teil und erhielt nach seiner Entlassung aus dem Heeresdienst 1917 die Ernennung als Landrat des als ärmlich geltenden Kreises Adenau in der Eifel. Bereits 1919 stand er als Landrat dem größten preußischen und vor allem industriell bestimmten Kreis Recklinghausen vor . Wegen seiner engen Kontakte zu den Arbeitern und seines sozialen Engagements erhielt er hier den Namen „Roter Landrat".

Im Oktober 1924 ging Dr. Klausener als Ministerialdirektor an das Preußische Wohlfahrtsministerium in Berlin und änderte zwei Jahre später abermals seinen Schreibtisch als Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium. In dieser Position engagierte er sich energisch im Kampf der Polizei gegen Ausschreitungen der Nationalsozialisten. Darum war er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten an diesem Platz äußerst unerwünscht und er wurde noch 1933 in das Reichsverkehrsministerium als Leiter der Schifffahrtsabteilung abgeschoben.

Bereits 1928 hatte ihn der Weihbischof Joseph Deitmer als Vorsitzenden der neugegründeten Katholischen Aktion im damaligen Delegaturbezirk Berlin berufen. In dieser Eigenschaft wurde er zum Organisator öffentlicher Kundgebungen der Berliner Katholiken. Am 24. Juni 1934 hielt er zum letzten Mal vor mehr als 60.000 Menschen auf dem Gelände der Rennbahn in Hoppegarten eine improvisierte leidenschaftliche Rede, in der er zur Nächstenliebe und zum kirchlichen Bekenntnis aufrief. Weil dieses Treuebekenntnis als Provokation des nationalsozialistischen Regimes gewertet wurde und zu den totalitären Absichten des NS-Regimes in absolutem Gegensatz stand, geriet er auf eine Namensliste von unliebsamen Personen, die von der Gestapo am 30. Juni 1934 exekutiert werden sollten. Außerdem hatte er als Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium bis 1933 tiefe Einblicke in die innere Parteigeschichte mit deren zum Teil kriminellen Aktionen der NSDAP gewinnen können.

In seinem Amtszimmer wurde Dr. Erich Klausener von dem Gestapo-Mann Gildisch am Sonnabend Mittag des 30. Juni hinterrücks und kaltblütig erschossen. Da es nach Selbstmord aussehen sollte, wurde die Waffe des Mörders in die Hand des Opfers gelegt.

Die Version des Selbstmordes konnte jedoch nicht lange aufrecht erhalten werden. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess hat Hermann Göring zugegeben, dass er den Namen Klauseners auf die Berliner Erschließungsliste gesetzt und den Befehl zur Ausübung der Tat gegeben hat.

Obwohl eine Gedenkfeier für den Ermordeten streng untersagt wurde, nahmen an der Beisetzung demonstrativ der Berliner Bischof Dr. Nikolaus Bares und andere kirchliche Würdenträger teil. In einer Kanzelvermeldung wurde am 8. Juli 1934 für alle Gottesdienste vermeldet: „Dem inzwischen aufgetauchten Gerücht, der Verstorbene sei an staatsfeindlichen Bestrebungen beteiligt gewesen und habe, als er verhaftet wurde, selbst Hand an sich gelegt, wird niemand Glauben schenken, der diesen tief religiösen Mann gekannt hat."

Und in einer Einschätzung des aus dem Amt des Landrates ausscheidenden Klauseners hieß es:

„Die Notleidenden konnten sich keinen besseren Fürsprecher und Anwalt aussuchen, als sie ihn in Herrn Dr. Klausener gefunden haben. Dr. Klausener ist ein Mann von hervorragender Gesinnung, und in aller Festigkeit seines Charakters und bei der Zähigkeit seines Wollens ist er stets ein Mann des Friedens und des Ausgleichs gewesen. Und so hat er es verstanden, alle Parteien zu sachlicher Arbeit ohne Parteigezänk zusammenzufassen." I.E.G.



 

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