BK II/10 - 12.10.2001

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Gutenbergweg

Man stelle sich vor, der Sandweg, der die Melanchthonstraße mit dem Promenadenweg im Nordteil Brieselangs verbindet, hieße "Johannes Gensfleisch zur Laden Weg". Klingt doch irgendwie abnorm oder? Wahrscheinlich hatte der junge Johannes auch diese Probleme mit seinem Namen und erlaubte sich darum, diesen einfach irgendwann umzuwandeln in einen "normalen". Wir wissen nicht viel über den uns bekannten Johannes Gutenberg, doch die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass es so gewesen sein könnte.

Der Gutenbergweg ist noch im vergangenen Jahr zweigeteilt gewesen. Eine Durchfahrt vom Promenadenweg zur Melanchthonstraße war nicht möglich. In diesem Jahr haben sich hier eine Reihe von Häuslebauern niedergelassen und die Straße bzw. den Weg für die Baufahrzeuge geöffnet. Das Mittelstück des Weges ist noch in privater Hand - erkennbar an dem grünen Wiesenstück inmitten des Weges. Deshalb kann auch noch nicht von einer generellen Öffnung und Durchfahrt gesprochen werden.

In den vierziger Jahren war der Gutenbergweg allerdings schon als zwar namenloser, doch durchgängiger Weg zwischen der Melanchthonstraße und dem Bredower Damm, heute Paul-Mewes-Damm, auf den Ortskarten verzeichnet. Es handelte sich um ein logisches Straßengeflecht, das kaum Sackgassen vorsah. Die Zeichen stehen günstig, dass mit der KEG, die im Hinterland des Gutenbergweges ein großes Baufeld erschlossen hat, das sehr vielen Familien ein neues Domizil bieten wird, vernünftige Wege und Straßen angelegt werden.

Johannes Gutenberg hingegen öffnete Wege auf ganz anderem Gebiet. Geboren um 1400 als Sohn eines Mainzer Patriziers erfand den Buchdruck mittels beweglicher Letter. Er gilt damit als erster Europäer, der im Handsatzverfahren mit gegossenen Typen arbeitet. In Mainz erlernt Gutenberg das Handwerk eines Goldschmiedes. Wahrscheinlich inspirierte ihn die Arbeit mit kleinen Metallteilen so sehr, dass er an der Seite von Andreas Dritzehn, mit dem er eine Geschäftsverbindung einging, 1438 in Straßburg mit dem Buchdruck experimentierte.

1450 kehrte er nach Mainz zurück, lieh sich von dem Händler und Geldverleiher Johann Fust 1.550 Gulden und entwickelte und baute eine Druckerpresse mit auswechselbaren Metalltypen. Auf dieser Druckerpresse stellte er die lateinische Bibel und andere kleinere Bücher und Handzettel auch Ablassbriefe her. 1956 war die 42-zeilige berühmte "Gutenbergbibel" fertiggestellt. Von den damals 180 Exemplaren sind heute immerhin noch 48 erhalten.

Als Johann Fust 1455 die Rückzahlung seines Darlehens forderte, kam es zu einem handfesten Rechtsstreit infolge dessen Gutenberg seine Beteiligung an dem Unternehmen aufgab und einen Teil seiner Druckertypen verkaufte. In Mainz fand er als Drucker jedoch schnell wieder Arbeit. Während der Plünderung der Standt Mainz 1462, wurde Gutenberg ausgewiesen, kehrte jedoch später zurück. 1565 ernannte ihn der Erzbischof von Mainz und Kurfürst von Nassau, Adolph II., zum "Hofmann", was mit Privilegien und Naturalleistungen verbunden war. Am 3. Februar 1468 starb Johannes Gutenberg in seiner Heimatstadt.

In Mainz ist für Interessierte das Gutenbergmuseum mit der nachgebauten Druckerpresse und der Werkstatt mit den beweglichen Lettern zu besichtigen und in Brieselang der Gutenbergweg mittels beweglicher Füße. I.E.G.



 

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