BK IV/01 - 17.01.2003

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Heinrich Heine Straße

166 Meter Schotter markieren von der Maxim Gorki Straße abgehend in der Nähe der Brieselanger Sparkasse, die Heinrich Heine Straße. Bis zum 1. August 1946 hieß sie noch nach dem stolzen Segler Gorch Fock. Mit Beschluss der Gemeindevertretung jener Tage wurde aus der Gorch-Fock-Straße die Heinrich-Heine-Straße. Als stille Sackgasse könnte man meinen, mit den dieser Tage ringsum verschneiten Bäumen, den vereisten Spurrinnen der Autos in einem Wintermärchen zu sein. Nicht ganz solch ein Märchen war's, das Heine seinerzeit bedichtete, denn bei ihm war's "Im traurigen Monat November, als die Tage trüber wurden und der Wind das Laub von den Bäumen riss und er nach Deutschland hinüberreiste." Sehr kritisch rechnet er in dem "Wintermärchen" gar nicht märchenhaft mit dem Deutschland ab, das ihn 1831 ins Exil nach Frankreich trieb.

Heinrich Heine, dem diese 166 Meter in Brieselang gewidmet sind, gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, der in großer Wortgewandtheit in seinen Werken das Gefühl der Schwermut mit erstaunlicher ironischer Betrachtungsweise verknüpfte und kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es um politische Kritik ging.

Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf als ältester Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren und wurde Harry genannt. Nach dem Scheitern einer kaufmännischen Lehre begann er in Bonn ein Jura-Studium. 1825 trat er zum Protestantismus über, um seiner juristischen Laufbahn eine Chance einzuräumen, die ihm als Juden verwehrt geblieben wäre. Nach der christlichen Taufe nannte er sich Heinrich Heine. Im gleichen Jahr promovierte er zum Dr. jur. Zeit seines Lebens wurde Heine wegen seiner jüdischen Abstammung und der Konvertierung geächtet und kritisiert.

Auf seinen vielen Reisen durch Europa und quer durch Deutschland zum Teil zu Fuß lernte er Johann Wolfgang von Goethe in Weimar kennen und in Paris, seinem selbstgewählten Exil, Karl Marx, mit dem ihm eine persönliche Freundschaft verband.

Seit 1841 war Heinrich Heine mit Crescence Eugenie Mirat verheiratet. Seine letzte Liebe galt jedoch Elise Krienitz, genannt Mouche, die ihm Freundin in der Zeit seiner schweren Rückenmarks-Krankheit war. Auf seiner "Matratzengruft" siechte er langsam und schmerzhaft bis zu seinem Tod am 17. Februar 1856 dahin. Auf dem Montmatre Friedhof in Paris wurde Heinrich Heine beigesetzt.

Heine veröffentlichte eine Vielzahl an Zeitgedichten mit scharfer Polemik und große Versdichtungen wie "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum". Wer an Heine denkt, dem fallen jedoch vor allem die Zeilen aus seinem Gedicht "Nachtgedanken" ein:

Denk ich an Deutschland in der Nacht 

Dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Ich kann nicht mehr die Augen schließen 

und meine heißen

Tränen fließen.

Zu allen Zeiten gab es Ansätze, diese Zeilen für die jeweilige Zeit gelten zu lassen. Dennoch - auch den Nachtgedanken folgt ein Morgen und die heißen Tränen werden getrocknet sein, damals wie heute. Irgendwann geht schließlich immer die Sonne auf. I.E.G.



 

Bitte beachten Sie auch folgende Nutzungsbedingungen.
Alle Rechte vorbehalten.
Die hier zur Verfügung gestellten Inhalte sind lediglich zur persönlichen Information bestimmt. 

Jedes Kopieren oder Veröffentlichen in anderer Form ist untersagt.

©

Werbung und
Internet-Service in Brieselang