BK III/10 - 12.10.2002

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Hermann-Hesse-Weg

Er steht noch in keiner Brieselanger Ortskarte, der Hermann-Hesse-Weg, denn erst in der Sitzung der Gemeindevertretung im September 2002 erhielt der Weg seinen Namen. Er ist, wie so viele Wege in Brieselang, eine Sackgasse und erschließt verkehrstechnisch ein Baufeld mit zirka 10 Grundstücken. Aus Richtung Bahnstraße in die Fichtestraße laufend, beginnt der neue Weg etwa 200 Meter auf der rechten Seite. Die ersten Häuser stehen bereits und deren Bauherren warten bereits auf ihre Adresse.

Leider haben sich die Gemeindevertreter nicht entschließen können, die Schriftstellerstraßen im Süden zu belassen und statt dessen besser einen Philosophen gewählt, wie die meisten Straßen der Umgebung. So wird wohl manch Neubrieselanger und Gast erst im Schriftstellerviertel jenseits der Bahnlinie in Süd nach dem Hermann-Hesse-Weg suchen. Gehen wir aber davon aus, dass Hesses Werke auch ein klein wenig philosophischer Natur sind, kann man die Entscheidung vielleicht tolerieren.

Ganz klar aber ist, Hermann Hesse war ein Schriftsteller! Geboren wurde er am 2. Juli 1877 in Calw als Sohn eines Missionars. Mit 14 Jahren erklärt er, er werde "entweder Dichter oder gar nichts". Er überlegt es sich anders und lernt doch erst einmal Turmuhrmechaniker und fügt sofort eine zweite Lehre als Buchhändler in Tübingen an. Erste literarische Arbeiten entstehen und erscheinen unter dem Titel "Romantische Lieder".

Von 1899 bis 1903 arbeitet er als Buchhändler und Antiquar in Basel. Sein erster Roman "Peter Camenzind" macht ihn literarisch bekannt. 1904 heiratet er die Fotografin Maria Bernoulli. In der Familie, die ein Bauerhaus am Bodensee bezieht, werden drei Söhne geboren.

Als der zweite Weltkrieg beginnt, meldet sich Hesse freiwillig zum Militärdienst, wird aber auf Grund seiner starken Kurzsichtigkeit für "felddienstunfähig" erklärt und arbeitet daraufhin in der Kriegsgefangenenfürsorge. Diese Tätigkeit prägt ihn und seine literarische Leistung in der Zukunft wesentlich. Er wendet sich gegen die patriotische Kriegsdichtung und wird zum Vaterlandsverräter erklärt. Dies und die Tatsache, dass viele Künstler und Intellektuelle im Angesicht des Krieges seiner Meinung nach versagen, stürzt ihn in eine tiefe Krise, die durch den Tod des Vaters und die psychische Erkrankung seiner Frau noch verstärkt wird.

Ohne seine Familie zieht Hesse 1919 nach Montagnola, wo er den Rest seines Lebens verbringen wird. Von hier aus beschwört er in vielen Publikationen die deutsche Jugend, einen weiteren Krieg zu verhindern.

1926 wird Hermann Hesse in die Preußische Akademie der Künste gewählt. 1931 verlässt er diese jedoch aus politischen Gründen. Es erscheinen die Romane "Der Steppenwolf", "Narziß und Goldmund" und "Das Glasperlenspiel".

Da er 1923 die schweizerische Staatsbürgerschaft erhielt, stellte er in den Jahren 1933 bis 1945 zahlreichen Künstlern, die aus Deutschland fliehen müssen, sein Haus als erste Anlaufstation zur Verfügung. Er äußert sich zwar nicht öffentlich, lässt aber in vielen privaten Äußerungen keinen Zweifel an seiner Ablehnung des NS-Regimes.

Das Lebenswerk Hermann Hesses wird 1946 mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/Main geehrt und im gleichen Jahr mit dem Nobelpreis. Er erhält 1947 die Ehrendoktorwürde der Universität Bern und 1955 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Am 9. August 1962 stirbt Hesse in Montagnola. I.E.G.



 

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