BK IV/03 - 12.03.2003

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Otto - Braun - Straße

Diese Straße kann einem leid tun. Einst sauber geplant als eine Verbindungsstraße zwischen der Melanchthonstraße und dem Promenadenweg, später in der Mitte bebaut und damit getrennt und hin und her benannt, wie es gerade kam.

Zunächst hieß die Straße wahrscheinlich schon vor 1945 Otto-Braun-Straße. Als es nicht mehr opportun war, eine Straße nach einem SPD-Politiker der Weimarer Republik zu benennen, wurde sie umbenannt in Neudörfferweg. Per Ratsbeschluss gab es die Braunstraße mit Wirkung vom 1. November 1981 nicht mehr. Politisch konnte hier mit dem Namen Neudörffer nicht viel falsch gemacht werden. Johann Neudörffer war ein Schönschreiblehrer des Mittelalters, der viel für die Entwicklung einer guten Schrift geleistet hat.

Als genau in der Mitte der Straße ein Grundstück abgesteckt wurde, gab es zwei Neudörfferwege. Einen nördlich und einen südlich. Armer Postbote! Wie wird der geflucht haben, denn eine kurze Verbindung zwischen den beiden Teilen gab es nicht.

In einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung am 03. Februar 1999 wurde vorgeschlagen, um dem Dilemma ein Ende zu bereiten, den südlichen Teil als Neudörfferweg zu belassen und den nördlichen abgetrennten Zipfel neu zu benennen. Dreimal darf man raten, welchen Namen dieser erhielt. Richtig, Otto-Braun-Straße. Immerhin hat der Weg damit eine Aufwertung erhalten, denn es ist nun eine "Straße" geworden. Aber, und das ist bezeichnend für das Straßensystem in Brieselang, wir haben zwei Sackgassen mehr.

Otto Braun wurde am 28.Januar 1872 in Königsberg als Sohn eines Eisenbahnangestellten geboren und erlernte das Steindruckerhandwerk. Bereits mit 16 Jahren trat er in die verbotene SPD ein. Gefängnis wegen "Majestätsbeleidigung", die Herausgabe der "Königsberger Volkszeitung" sind Stationen auf dem Weg zur Wahl zum Vorsitzenden der SPD des Bezirkes Ostpreußen im Jahr 1898.

1902 gründet er den Deutschen Landarbeiterverband, dessen Vorstand er von 1909 bis 1920 angehört. Seine Karriere innerhalb der Partei führt kontinuierlich aufwärts. 1911 wird er in den Parteivorstand gewählt und 1913, wird er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. In der Novemberrevolution gehört Otto Braun dem Berliner Arbeiter- und Soldatenrat an und übernimmt später das Amt des preußischen Landwirtschaftsministers. Für die SPD wird er 1919 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. 1920 bis 1932 ist Braun preußischer Ministerpräsident.

In seiner Tätigkeit reformiert er das Staats- und Schulwesen erheblich. In seiner Regierungszeit bildet Preußen eine der zuverlässigsten Stützen der Weimarer Republik. Am 20. Juli 1932 enthebt Reichskanzler Franz von Papen die Regierung Braun ihres Amtes. Damit endet für lange Zeit seine politische Aktivität.

1933 flieht er vor den Nationalsozialisten in die Schweiz nach Ascona. Hier legt er 1943 eine Denkschrift über den Wiederaufbau Deutschlands nach Kriegsende vor, das ihn als entschiedener Gegner des kommunistisch geführten Bundes Freies Deutschland ausweist. Als seine politischen Nachkriegspläne allgemein wenig Gegenliebe finden, zieht er sich endgültig aus der politischen Arbeit zurück.

Am 15. Dezember 1955 stirbt Otto Braun in Locarno in der Schweiz. I.E.G



 

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