BK II/11 - 16.11.2001

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Renzstraße

Gar nicht weit vom Bahnhof Brieselang entfernt findet sich auf der Südseite die Renzstraße. Sie zweigt von der August-Bebel-Straße etwa 150 Meter vor der Zeestower-Chaussee nach Süden ab. Wer sich in dem kleinen Karree nicht auskennt, wundert sich, warum die Renzstraße nicht irgendwo auf den Forstweg stößt. Man muss sich schon die Mühe machen und in die kleine Straße hineingehen, um zu erkennen, dass sie nach nur wieder etwa 150 Metern eine scharfe Kurve nach rechts beschreibt und dort dann Querstraße heißt. Diese wiederum stößt auf die Franz-Mehring-Straße und der Kreis ist geschlossen.

Die Renzstraße ist übrigens in diesem Dreh die einzige Straße, die ihren seit der Gründerjahre angestammten Namen behalten durfte. Die August-Bebel-Straße, die Franz-Mehring-Straße, der Forstweg, die Südstraße und die Querstraße als unmittelbare Nachbarn hatten Namen die nach 1945 nicht mehr zeitgemäß waren. Die Querstraße beispielsweise hieß Norkusstraße, benannt nach dem 15-jährigen Hitlerjungen Herbert Norkus, der 1932 wie auch immer zu Tode kam. Nur der Zirkusdirektor Renz mit allen seinen Namens-Nachkömmlingen durfte bleiben.

Ernst Jacob Renz wurde am 18. Mai 1815 in Böckingen bei Heilbronn geboren. In der Nacht vom 3. zum 4. April 1892 starb er in Berlin. Er gilt heute als der Gründer des deutschen Großzirkus. Zu Beginn seiner Laufbahn trat er als Seiltänzer auf und betrieb eine Schulreiterei. Er begann mit einem kleinen Wanderzirkus und ließ sich 1846 als selbständiger Zirkusdirektor in Berlin nieder. 1850 präsentierte Renz seinen "Olympischen Zirkus" in der Berliner Charlottenstraße und als "Cirque Equestre" auf dem Dönhoffplatz.

In Berlin wehte dem Zirkusdirektor Renz ein heftiger Konkurrenzwind ins Gesicht. An der Friedrichstraße gastierte der "Cirque National de Paris" in einem eigens dafür errichteten Fachwerkhaus. Als das Gebäude am 28.11.1854 abbrannte, konnte Renz das Gelände 1866 für 120 Taler erwerben. Der nun hier stationierte Zirkus musste jedoch einige Jahre später der Bahn und dem Straßenbau weichen. Für 820.000 Taler verkaufte Renz an die Bahngesellschaft. Einen netten Schnitt hat er da gemacht. Heute steht an dieser Stelle der Bahnhof Friedrichstraße.

Der eigentliche Zirkus zog 1879 in die erste Berliner Markthalle auf der anderen Seite der Spree um. An dieser Stelle begeisterte der "Zirkus Renz" am Schiffbauerdamm sein Publikum vor allem mit den weltberühmt gewordenen Pferdedressuren und Pantomimen.

Ernst Jacob Renz gilt auch als ein Pionier der Werbung. 1854 nutzte er als erster, die von Litfass aufgestellten "Litfass-Säulen", um für seinen Zirkus Reklame zu machen.

Auf dem Evangelischen Neuen Dorotheenstädtischen Friedhof II in der Luisenstraße 9 in Berlin-Mitte ist sein Ehrengrab zu finden. I.E.G.



 

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