BK II/08 - 17.08.2001

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Schopenhauerstraße

Im Winter 1930 schlug der Gemeindevertreter Eckert vor, die Parallelstraße der Fichtestraße auf dem "Gierrahnschen Gelände" in Jahnstraße umzubenennen. Ja, aber, fragt da der erstaunte Brieselanger des Jahres 2001, da ist doch noch eine andere Parallelstraßen dazwischen, und zwar die Schopenhauer Straße. Wie groß muss damals das Gelände der Familie Gierrahn gewesen sein und wofür wurde es genutzt ?

Familie Gierrahn gehörte eines der ersten Bauernhöfe in Brieselang und war noch vor den ersten Siedlern hier heimisch. Möglicherweise haben sie das Areal von den Bredowern erworben. Sie errichtete hier einen Heidehof, der an die norddeutschen Höfe erinnerte, allerdings ohne Reetdeckung. Reste davon sind noch in der Schopenhauerstraße zu erkennen. Der bäuerliche Hof bearbeitete das Land. Es wurden Kartoffeln und Getreide angebaut. Später übernahmen je zur Hälfte Familie Graubaum mit einem Autofuhrgeschäft und Familie Berger die Fläche, um Kräuter anzubauen. Von hier kamen sämtliche Kräuterlieferungen für die Berliner Markthalle. Viele Brieselangerinnen und Schüler in den Ferien haben hier beim Pflücken und Binden geholfen.

1930 war die spätere Schopenhauerstraße lediglich ein Trampelpfad über die Kräuterfelder. 1940 hatte der Feldweg dann schon den Namen Schopenhauerstraße als Parallelstraße zwischen der Fichtestraße und der Jahnstraße. Die Landwirtschaft wurde zurückgedrängt und es war lukrativer zu parzellieren. Die Schopenhauerstraße beginnt an der Bahnstraße unweit der Bahnunterführung am Havelkanal und endet an der Kantstraße inmitten des Philosophenviertels. In den letzten Jahren haben hier viele Familien Grundstücke erworben und Häuser gebaut. Dennoch gibt es noch erstaunlich viel Freifläche, die an die ursprünglich riesige Gierrahnsche Landwirtschaft und die Bergerschen Kräuterfelder erinnern.

Ja und wer war Schopenhauer? Arthur Schopenhauer wurde als Sohn eines angesehenen Kaufmanns am 22. Februar 1788 in Danzig, dem heutigen Gdansk, geboren. Er mochte nicht so recht in die Fußstapfen des Vaters treten und ebenfalls Kaufmann werden, sondern wählte zunächst das Studium der Medizin in Göttingen. Doch auch das war es nicht, was er wollte. Die Philosophie war´s, die ihn anzog. 1811 ging er darum an die Universität von Berlin und wurde unter anderem Schüler von Johann Gottlieb Fichte.

In Jena promovierte er 1813 mit einer Abhandlung, die den Nichtphilosophen damals wie heute als ein großes Fragezeichen vorkommt: "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde". Toll nicht? Aber Verständlichkeit für den einfachen Mann war schließlich nicht das Ziel der wissenschaftlichen Arbeit. Dem wahren Leben näher war hingegen seine Farbenlehre, die er in Konkurrenz zu der Goethes verfasste. Unter dem Titel "Über das Sehen und die Farben" enthielt sie bereits die grundlegenden erkenntnistheoretischen Positionen des späteren Hauptwerkes "Die Welt als Wille und Vorstellung".

An der Seite von G.W.F. Hegel unterrichtete Schopenhauer an der Universität von Berlin in der Zeit von 1820 bis 1831, dem Jahr, in dem Hegel starb. Durch eine Erbschaft finanziell abgesichert ließ er sich in Frankfurt am Main nieder und lebte hier zurückgezogen als Privatdozent und konnte sich mit Leib und Seele seinen wissenschaftlichen Studien widmen und sie zu Papier bringen. Vor allem interessierte er sich für die buddhistische und hinduistische Philosophie und die Mystik.

Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit erlaubten es ihm, eine Physiologie der Wahrnehmung zu entwickeln. Nach seiner Konzeption existiert die Erscheinungswelt nur insoweit, als sie wahrgenommen wird und im menschlichen Bewusstsein ist, also als Vorstellung. Nach Schopenhauer liegt der Vorstellungswelt der Wille zugrunde, den er als grundlosen und ziellosen Drang versteht. Diese Lehre vom "Primat des Willens" bildet die zentrale Idee der Schopenhauerschen Philosophie und hatte weitreichenden Einfluss.

Vor allem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeinflusste seine Lehre zahlreiche Wissenschaftler wie Friedrich Nietzsche, Komponisten wie Richard Wagner, Literaten wie Thomas Mann und Psychologen wie Sigmund Freud. I.E.G.



 

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