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Nachdem der Weg nördlich der Zeestower Chaussee, etwa gegenüber der Erich-Mühsam-Straße beinahe über Jahrzehnte von den Leuten immer als Stallweg bezeichnet wurde, hat er erst im vergangenen Jahr ganz offiziell diesen Namen erhalten. Familie Polzfuß, die hier einen weithin bekannten Pferdehof betreibt, brauchte dringend die amtlich registrierte postalische Anschrift. Die Ställe, nach denen der Weg benannt ist, sind Pferdeställe. Vor der Wende allerdings waren hier Kühe und Schweine der LPG Tierproduktion untergebracht.
Der Stallweg führte früher von der Zeestower Chaussee über den Schlaggraben, auch im Volksmund als “Russengraben” bekannt, weil er im ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen ausgehoben wurde, über Dyrotz Luch bis hin zum Verschiebebahnhof nach Elstal. Rechts und Links des Weges befanden sich Felder die bis 1945 vom Kreislandwirtschaftsgut betreut wurden. Eine Furt über den Graben ermöglichte es den Bauern mit ihren Pferdefuhrwerken die hinteren Felder zu erreichen. Nach 1945 wurden die Flächen zu Bodenreformland erklärt. Während rechts des Weges Neubauernparzellen zu je 5 Hektar entstanden, lagen links des Weges Morgenparzellen auf denen vor allem Kartoffeln und Roggen angebaut wurden.
Der spätere Bau der Bahngleise Richtung Potsdam verkürzte den Stallweg erheblich. Er endet nun gezwungenermaßen an den Gleisen bzw. dem Schlaggraben.
Hinter den Ställen hatte die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) einen KK-Schießstand eingerichtet, der bis in die 80er Jahre genutzt wurde. In der Wendezeit wurde er kurzerhand eingeebnet. Das Land mit seinen 435 Hektar gehört heute zum Jagdbezirk “Birkenluch Brieselang/Zeestow”.
In den 60er Jahren, als die Ställe noch von den Rindern bevölkert wurden, wurde der Versuch unternommen, nach dem Vorbild sowjetischer Rinderanlagen Offenställe einzurichten. Brieselang gehörte zu den ersten Orten, in denen die Rinder mit dem neuesten aus Wissenschaft und Technik in der Landwirtschaft überrascht werden sollten. Allerdings endete der Versuch kläglich. Im Winter blieben die Kühe in dem morastigen Freigehege stecken. Die Tiere froren in der sich vereisenden Pampe ein und wurden krank. Schlachtungen nicht zum geplanten Zeitpunkt waren die Folge.
1989 erhielten Altbesitzer ihr Anwesen in diesem Bereich zurück. Das ganze Gelände wurde allerdings auch zum Landschaftsschutzgebiet erklärt und damit eine eingeschränkte Nutzung erreicht. Der Bau einer Recyclinganlage war hier beispielsweise genausowenig mehr möglich, wie die Erweiterung der Firma Alu-Druckguß auf diesem Gelände. Da haben es die Pferde jetzt doch richtig gut - frische Luft, weite Wiesen, der nahe rauschende Wald und zufriedene Reiter und Pferdebesitzer. Der Stallweg zeigt nicht nur durch seinen Namen, dass Brieselang einmal landwirtschaftlich, wenn auch nur im kleinen, geprägt war. I.E.G.
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