BK I/03 05.03.2000

Ursprung Brieselanger Straßennamen

Heute: Jochen-Friedrich Steege-Siedlung

Die J.-F. Steege-Siedlung gehört zu den ersten in sich abgeschlossenen Siedlungen, die im nördlichen Ortsteil Brieselangs in den neunziger Jahren auf einer ehemaligen Ackerfläche entstanden sind. Ein von Fremden leicht zu übersehender Weg führt von der Fichtestrasse in die dreireihige Siedlung von Doppelhäusern, in der etwa 50 Familien ihr Zuhause haben. Wer war J.-F. Steege?

Als die ersten Siedler in den Jahren um 1920 in großer Zahl ihre Schollen absteckten, hatte bereits vor mehr als 100 Jahren ein mutiger Mann in diesem Wald und Luchgebiet seine "Zelte" aufgeschlagen: Jochen Friedrich Steege. Und das wurde ihm wahrscheinlich nicht leicht gemacht.

1730 in Pausin geboren, diente er im Braunschen Infanterie-Regiment als Musketier für seinen König Friedrich von Preußen. Er erlebte und überlebte den siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763. Aus diesem Krieg kehrte J.-F. Steege nicht nur mit vielfältigen Blessuren in seinen Heimatort Pausin zurück, sondern musste deretwegen auch seinen Dienst quittieren.

Die Spandauer Forstverwaltung nahm sich seiner an und verteidigte ihn als Holzschläger. Es wurde dem Hegemeister Brandt unterstellt, der im Brieselanger Forst amtierte. Jeden Tag hatte er nun den wenigstens 4 km langen Marsch von Pausin in den brieselanger Forst zurückzulegen, was ihm verständlicherweise irgendwann lästig wurde und er bei seinem Dienstherren den Wunsch äußerte, in der Nähe seiner Arbeitsstätte zu siedeln.

Er hatte sich schon ein hübsches Fleckchen Erde am Rande des Waldes, etwas nördlich der heutigen Falkenstraße, ausgesucht. Da das Gelände dem Staat gehörte, musste er den König um Erlaubnis bitten, dort siedeln zu dürfen. Der pausiner Pfarrer half ihm das Gesuch an den Landesvater aufzusetzen, das in seinem wohl damals notwendigen Stil nie und nimmer von einem einfachen Holzfäller hätte verfasst sein können. 

So hieß es in dem Schreiben vom 20. März 1784:

"Wenn sich nun hier im Brieselang nicht weit von der Forstwohnung ein abgelegener leerer Fleck ungefähr eines Morgens groß befindet, der sich weder zum Holzanbau noch zu Wiesenwuchs qualifiziert, und welcher am allerbesten nur dazu benutzt werden könnte, dass ein Kolonisten Haus auf dem selben erbauet würde, so unterfange ich mich als ein alter treugedienter Knecht, Eure Königlichen Majestät alleruntertänigst anzustehen, auf diesen Fleck ein Kolonistenhaus bauen und mich als Kolonisten in demselben allerhuldreichst ansetzen zu lassen.
Euer Königliche Majestät würden dadurch nicht nur einem alten getreuen Knechte die größte Gnade, die er sich wünscht, wiederfahren lassen, sondern auch zugleich eine Felk, der bisher zu nichts genutzt hat, nutzbar erhalten. Ich getröste mich allergnädigster Erhörung und ersterbe in tiefster Erniedrigung Euer Königlichen Majestät allerunterthänigster Knecht der Holzschläger Steege"

Dieser Brief erreichte zunächst nicht den König, sondern auf dem Dienstweg alle möglichen preußischen Instanzen, die sich eine Entscheidung anmaßten. Die Amtsmühlen begannen sehr langsam und allmählich zu mahlen.

Über die Forst- und Justizämter in Spandau und Vehlefanz, die Amtmänner Kienitz und Hart, die Baubehörde, der Lehnschulze aus Falkenhagen und schließlich vom König Friedrich von Preußen selbst kam endlich am 29. Juli 1785 der bejahende Bescheid, in dem Steege der nachgesuchte Fleck 117 Fuß lang und 37 Fuß breit im Brieselang zur Erbauung eines Bündnerhauses ohne Garten- und Weidefreiheit gegen Erlegung von 1 Taler Grundzins und 9 Groschen Holzgeld überlassen werden könne.

190 Taler bewilligte schließlich die Finanz- und Baubehörde in einem langwierigen Kampf, so dass Steege erst im Juni 1787 in sein bescheidenes Häuschen ziehen konnte. "Schon" nach weiteren vier Jahren erhielt er seine Erbverschreibung.

Sicher mussten die heutigen Bewohner der Steege-Siedlung sich nicht "allergnädigster Erhörung getrösten und in tiefster Erniedrigung ersterben", um zu ihrem Anwesen zu gelangen. Klitzekleine Parallelen zur Arbeit heutiger Ämter sollten dennoch erlaubt sein.

Jochen Friedrich Steege war also der Pionier, der als erster auf dem Gebiet des heutigen Ortes Brieselanger Boden urbar gemacht und den Siedlern der Boomzeiten aufgezeigt hat: 

Kommt her, hier lässt es sich gut leben! IEG



 

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